Betreff: Förderabsagen LAP

Sehr geehrte Frau Ludwig,

nach den Ereignissen im August letzten Jahres haben sie öffentlich von den Chemnitzer*innen zivilgesellschaftliches Engagement eingefordet. Nun haben etliche Intitutionen und Vereine reagiert und u. a. bei LAP einen Antrag gestellt, um Projekte mit Breitenwirkung für Demokratie und Toleranz umsetzen zu können.
Es wurden Projekte mit einem Gesamtvolumen von 750.000 € beantragt. Zur Verfügung stehen allerdings nur 380.000 €. Darin NICHT enthalten ist die unschätzbare ehrenamtliche Arbeit, die von den Personen/Vereinen bei der Umsetzung noch hinzukommt und eingeworbene Drittmittel und Sponsorengelder.
Etliche Projekte haben nun eine Absage erhalten, da die Gelder nicht reichen.

Wenn Sie ihre Forderung nach Handlungen der Bevölkerung ernst meinen, und Ihnen etwas an unserer Stadt und ihrer Zukunft liegt, sollten Sie dafür sorgen, dass all diese eingereichten Projekte umgesetzt werden können. Wo liegt das Problem, diesen Topf aufzustocken bzw. andere Gelder bereitzustellen, wenn doch das Hilfsangebot aus der Bevölkerung so groß ist? Ich denke, hier gilt: "Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg".

Das hat in der Vergangenheit bei etlichen anderen Dingen (z.B. Stadion) sehr gut funktioniert.
Sämtliche städtische Töpfe (allgemeine Kulturförderung, KHS Mikroprojekte, Jugendfond, ...) sind hoffnungslos überlaufen. Kultur ist jedoch notwendig, um diese Stadt in eine positive Zukunft zu führen.

Ich fordere Sie dazu auf, schnell zu handeln und sich darum zu kümmern, dass Menschen die helfen wollen diese Stadt wieder auf die Beine zu bringen und sich engagieren, hierfür städtische Unterstützung erhalten. Ihnen ist sicher bewusst, dass solche Projekte auch Geld kosten. Expert*innen kosten Geld, Material, Öffentlichkeitsarbeit, Miete usw. will bezahlt werden. Es ist eine Investition in die Zukunft unserer Stadt, die sich lohnt.

Von einer Stadt, die sich im Jahr 2025 mit einem Kulturhauptstadttitel schmücken möchte und die eine Kulturstrategie mit Weitblick verabschiedet hat, erwartete ich ein besonnenes Handeln und eine Wertschätzung gegenüber Menschen, die sich seit Jahren für kulturelle Vielfalt und Gemeinwohl einsetzen und somit per se täglich Demokratiearbeit leisten. Schon die Ablehnung des Stadtratsantrags nach Erhöhung der Kulturmittel durch den Stadtrat war ein Schlag ins Gesicht der Kulturschaffenden.
Eines der jetzt  erscheinenden Kulturhauptstadtplakate propagiert: KÄMPFEN LOHNT SICH. Nur leider gibt es in jedem Kampf auch Opfer und Verluste, dessen sollte man sich bewusst sein. Sie können mit entscheiden auf welcher Seite sich diese befinden und wem die Kräfte in einem harten Kampf durch sinnlose und langwierige Nebenschauplätze geraubt werden. Und sie können mitentscheiden, wie viele Kulturschaffende in Zukunft noch diese Stadt verlassen werden, weil sie hier keine Perspektive mehr sehen.

Mit freundlichen Grüßen,
Mandy Knospe

Vorstand Klub Solitaer e. V.

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